Der jüdische Friedhof in Laudenbach

Fläche des Geländes: über 2,3 Hektar ‍ ‍

Zahl der Gräber: mehr als 6000

Zahl der sichtbaren Grabsteine: 2447

Frühere Besitzer des Friedhofs: 16 jüdischen Gemeinden in der Region nördlich von Würzburg

Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof in Laudenbach

Der jüdische Verbandsfriedhof in Laudenbach

Auf dem Rücken des Laudenbacher Schlossberges befindet sich am Waldrand einer der größten jüdischen Friedhöfe Bayerns. Im Hebräischen heißt er Beth Olamin, das Haus der Ewigkeit. Wer hier ruht, sollte dies auf ewige Zeiten tun, nichts darf auf einem jüdischen „Guten Ort“ die Totenruhe stören. Nur sehr behutsam greift man in den Lauf der Dinge ein, es werden keine Blumen auf die Gräber gepflanzt, und Grabschmuck sucht man vergebens. Als Zeichen der Ehrerbietung für die Toten hinterlassen Besucher einen kleinen Stein. Durch die Witterung sind über die Jahrhunderte viele von den Inschriften unleserlich geworden – ein unersetzlicher Verlust.

Auf jüdischen Friedhöfen gibt es keine Abteilung für die Reichen und Begüterten, die Verstorbenen wurden meist in Reihen nebeneinander begraben. An Form und Material der Grabsteine lässt sich die Stellung der Juden in der Gesellschaft gut erkennen. Die ganz alten Grabsteine aus der frühesten Belegungszeit sind klein, ausschließlich aus rotem Sandstein, die Inschriften ausschließlich in Hebräisch. Die jüngeren Grabsteine sind vielfältiger, sieht man reich verziert Ornamente und Symbole, oft gemeinsam mit deutscher und hebräischer Inschrift.

Ein Friedhof sollte ein Ort der Ruhe sein. Dass das auch in Laudenbach nicht der Fall war, berichten die vielen Zerstörungen und Schändungen. Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus war der Friedhof vollständig  verwüstet, die meisten Steine umgeworfen, viele zerschlagen.

Der jüdische Friedhof in Laudenbach hatte ein sehr großes Einzugsgebiet zwischen Marktheidenfeld und Arnstein, zwischen Gemünden und Veitshöchheim. Eigentümer waren 16 jüdische Kultusgemeinden. Entsprechend weit waren die Wege nach Laudenbach. Die Verstorbenen mussten auch im Winter bei Schnee und Eis auf einer Bahre zu Fuß nach Laudenbach getragen werden. Man brachte den Verstorbenen zunächst in den Tahara-Raum der Synagoge, der durch einen separaten Eingang betreten werden konnte. Dort wurde der Leichnam mit neun Güssen „lebendigen Wassers“ gereinigt.

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Führungen im Friedhof

(1): Scherg 2000: Jüdisches Leben im Main-Spessart-Kreis, S. 26

(2): Müller, Karlheinz: Bildungsrang und Spiritualität der Würzburger Juden. In: Unterfränkische Geschichte 2, 1992, S. 374 – 401, hier S. 393

(3): StAW Admin 416 / 8318

(4): StAW Reg Ufr 7121 KAR

Wissenschaftliche Dokumentation

Die Inschriften  auf den Grabsteinen sind kulturhistorisch überaus wertvolle Dokumente jüdischen Lebens. Sie erzählen Geschichten über Familie, Beruf und Wirken des Verstorbenen, über seine Herkunft, Geburt und Tod. Es sind einzigartige Lebensgeschichten von Menschen, die hier gelebt haben und Teil unserer Kultur geworden sind. Da die natürliche Verwitterung der Inschriften nicht aufgehalten werden kann, begann der Förderkreis im Jahr 2019  mit einer wissenschaftlichen Dokumentation des Friedhofs.  Das Gelände wurde kartographiert, jeder der 2447 Steine wurde anschließend in hoher Qualität  fotografiert, um sie durch Fachleute lesen und auswerten zu können. Das Landratsamt Main-Spessart hat die Trägerschaft für das Projekt "Lebensgeschichten - Übersetzung der Inschriften auf dem jüdischen Friedhof Laudenbach" übernommen

Ansprechpartner für die Dokumentation der Steine

(1): Staatsarchiv Würzburg Admin 416 / 8318

(2): Staatsarchiv Wertheim G-Rep. 57/1 Laudenbach Nr. 13

(3): Scherg 2000: Jüdisches Leben im Main-Spessart-Kreis, S. 26

(4): Müller, Karlheinz: Bildungsrang und Spiritualität der Würzburger Juden. In: Unterfränkische Geschichte 2, 1992, S. 374 – 401, hier S. 393

(5) Staatsarchiv Würzburg Reg. von Ufr. 7121 KAR

Der jüdische Friedhof

Geschichtlicher Überblick

vor 1600

Der jüdische Friedhof auf dem Laudenbacher Schlossberg wird angelegt

1630

Schriftliche Erwähnung von Beerdigungen

1655

Erwähnung eines Friedhofsverwalters

 1831

Erste bekannte Erweiterung des Friedhofsgeländes

 1852

Zweite bekannte Erweiterung des Friedhofsgeländes

 1866         

Schwere Verwüstungenund Schändungen

1873/74  

Dritte Erweiterung, die große Mauer um den Friedhof wird errichtet

1908

Vierte bekannte Erweiterung des Friedhofsgeländes auf seine heutige Größe     

1948

Nach den Zerstörungen im Nationalsozialismus wird der Friedhof in jahrzehntelangen Bemühungen wieder hergestelltdieheutige Größe.