Der „Judenhof“ in Laudenbach

 

Zwischen dem Laudenbacher Schloss und der Hauptstraße liegt ein von drei Seiten umschlossener Hof.

Der Judenhof

Renaissanceschloss und Judenhof

Kleine, eng aneinander geschmiegte Gebäude sind wie auf eine Schnur gereiht. Es braucht nicht viel, um zu erkennen, dass die Bebauung über die Jahrhunderte kaum verändert wurde. Das Schloss selbst  stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert. Die Laudenbacher mussten es errichten, nachdem sie sich während des Bauernkriegs an der Zerstörung der alten Wertheimer Burg in Laudenbach beteiligt hatten.  Erbaut wurde es im Jahr 1525, knapp 100 Jahre später ging es an die Voite von Rieneck, schließlich im Jahr 1687 an das Juliusspital. Das Geviert oberhalb des Schlosses wurde im Laudenbacher Sprachgebrauch „Judenhof“ genannt.

Judenhof

Judenhof, Ansicht von hinten

In diesem Hof, so schreibt eine Würzburger Zeitung im Jahr 1798, ist „jeder Winkel mit Juden angefüllet“ (1). Die Besitzer des Schlosses hatten die Juden schließlich nicht aus Menschenfreundlichkeit ins Dorf geholt, sondern weil sie beträchtliche Schutzgelder von ihnen verlangen konnten, eine willkommene Mehreinnahme für ihre Kassen. Und weil sich die Häuser rentieren mussten, versuchte man eben in „jeden Winkel“ eine jüdische Familie zu pferchen.

Heute sind die Häuschen renoviert, aber ihr altes Gepräge haben sie nicht verloren. Sie stehen wie das Schloss unter Denkmalschutz.

(1): Würzburger Wöchentliche Anzeigen, Nummer 24 vom 20.2.1798, S. 188 – 190, Zitat S. 189