Geschichte der Synagoge

15. Jahrhundert   Die erste Erwähnung von Juden in Laudenbach stammt aus dem Jahr 1426. Graf Johann von Wertheim erwarb vom damaligen König Wenzel das Stadtrecht für Laudenbach und wenig später das Judenregal, also das Recht, Juden in seinem Herrschaftsbereich anzusiedeln und Geld von ihnen zu verlangen. Er verfolgte in Laudenbach eine gezielte Expansionspolitik, indem er in der Folgezeit zur Stärkung des Handels und der Wirtschaft jüdische Familien ansiedelte. Im Verlauf des 16. Jahrhunderts ist immer wieder von Juden im Ort die Rede, man muss also von einer kontinuierlichen jüdischen Besiedlung unter den Grafen von Wertheim ausgehen (1).    

1621   Das genaue Alter der Synagoge ist unbekannt, sie wird im Laufe des 17. Jahrhunderts als Wohnhaus erbaut und wahrscheinlich in dieser Zeit bereits als Synagoge genutzt. Im Jahr 1621 gibt es in Laudenbach 8 jüdische Familien, also ungefähr 40 Menschen (6). Man kann vermuten, dass sie sich in dieser Zeit bereits eine vollgültige Gemeinde (Kehilla) mit Mikwe, Synagoge und Friedhof geschaffen haben.                 

1667  Erste eindeutige urkundliche Erwähnung der Synagoge, die „Schuell zue Laudenbach“. (2)         

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11. Mai 1736 Die Laudenbacher Judenschaft richtet ein Baugesuch an die Fürstbischöflich-Würzburger Hofkanzlei: Die Laudenbacher Synagoge sei seit „unvordenklichen Jahren“ am Ort vorhanden und ist wegen ihres Alters runiös und baufällig geworden. Es wird eine Renovierung und geringfügige Erweiterung beantragt. Das Amt Karlstadt soll die Richtigkeit der Angaben bestätigen.

29. Mai 1736 Der Karlstadter Amtsverweser berichtet, das Haus sei vormals ein jüdisches Privathaus mit einer Wohnung für den „Rabbi“ gewesen. Die Behörden machen Auflagen für das Bauvorhaben, vor allem fordern sie, dass die Synagoge nicht „dem äußerlichen und ansehen nach wie ein kirch sondern wie ein anderes bürgerliches Hauß heraus komme.“

1737  Die Renovierung der Synagoge wird abgeschlossen.

1763   Der Laudenbacher Jude Samson stiftet eine neue Thorarolle für die Synagoge. Die Thora ist das Heiligste im Judentum. Eine neue Rolle anfertigen zu lassen ist sehr aufwändig und entsprechend teuer. Samson muss dafür 100 Gulden aufwenden – nach damaligen Maßstäben ein Vermögen.

Die neue Thorarolle wird in einer feierlichen Prozession von Samsons Haus durch das Dorf in die Synagoge getragen. Beim Laudenbacher Pfarrer ruft der Vorgang erheblichen Ärger hervor („Juden-Excesse“). Er bringt die Sache bei der fürstbischöflichen Regierung zur Anzeige, die Laudenbacher Juden werden zu einer Strafe von 12 Talern verurteilt (3).

1784  Die alte Mikwe in Laudenbach soll aufgegeben werden. Der Thüngener Spitalvogt regt den Bau einer neuen Mikwe an. Vorausgegangen ist eine der schwersten Überflutungen des Mains vom gleichen Jahr. Den Pegelständen nach zu urteilen standen die Synagoge und die Häuser im Uferbereich des Mains völlig unter Wasser. Nach einer Notiz aus dem Jahr 1794 befand sich die ursprüngliche Mikwe in der Nähe oder im Kellerbereich der Synagoge selbst (4).

1885   Umbau der Ostwand der Synagoge durch den Kultusvorstand der jüdischen Gemeinde Laudenbach Sandel Frank. Die Thora-Nische wird verändert, das Misrachfenster bekommt seine heutige runde Form, die beiden Fenster seitlich des Thoraschreins werden schmäler und höher ausgeführt (5).

10. November 1938 Novemberpogrom. Die Synagoge wird durch einen SA-Trupp unter der Beteiligung von Bürgern aufgebrochen und ihre Inneneinrichtung vollständig zerstört. Durch die eingeschlagenen Fenster werden Bücher ins Freie geschleudert, der Thoraschrein, die Reliquien und das hölzerne Inventar werden herausgebrochen und vor der Synagoge ins Feuer geworfen. Das Gebäude selbst wird nicht in Brand gesteckt, weil sich in unmittelbarer Nähe Häuser befinden.

nach 1938  Die verwüstete Synagoge wird von einem Landwirt als Getreidelager, später von einem Kaufmann als Kohlelager genutzt.

1941 – 1945  Ein Maurermeister verwendet das Gebäude als Lagerraum. In den letzten Kriegswochen bezieht eine Einheit von Wehrmachtssoldaten in der Synagoge Quartier.

4.-6. April 1945 Beschuss von Laudenbach. Die ehemalige Synagoge wird an der Mainseite durch einen Artillerietreffer schwer beschädigt.

1945 – 1949   Die Bausubstanz droht durch Kriegsschäden und Wettereinfluss zu zerfallen.

1949  Die Synagoge wird verkauft. Der neue Besitzer repariert die zerstörte Außenmauer, schafft an der Stelle des früheren Thoraschreins einen Durchbruch um eine Einfahrt für große Maschinen zu erhalten und zieht einen Betonboden zum Niveau-Ausgleich ein. Die ehemalige Synagoge Laudenbach wird fortan als landwirtschaftlicher Lagerraum genutzt – 64 Jahre lang.

2013  Die Synagoge steht zum Verkauf. Sie wird leergeräumt und kann jetzt wieder besichtigt werden.   

2014  Eine blaue Plane wird über das Dach gezogen, da eindringendes Wasser Dachwerk und Gebäude zu zerstören droht.

24. März 2015   Die Stadt Karlstadt erwirbt das Gebäude.

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2016 Die Stadt Karlstadt beauftragt das Architekturbüro Gruber und Hettiger mit einer Befunduntersuchung des Gebäudes. In einem Feld des Traufbereichs wird ein Genisafund, in der Außenwand zwei weitere, jetzt zugemauerte Eingangstüren entdeckt. Reste der ursprünglichen Wandbemalung werden freigelegt, sodass sich das ursprüngliche Aussehen des Innenraumes zumindest erahnen lässt.

2017 Durch den Einbau einer hölzernen Stützkonstruktion werden die beiden Geschossdecken im ehemaligen Wohnbereich der Synagoge unterfangen und vor dem weiteren Absenken bewahrt.

2019 Die Stadt Karlstadt will ein weiteres Gutachten zur Kostenermittlung des Bauerhalts beantragen.

      

Literatur:         

Einen ausführlichen Einblick in die Geschichte der jüdischen Gemeinde und ihrer Synagoge bekommt man in dem von Hans Schlumberger hervorragend geschriebenen Artikel über Laudenbach in: Kraus, Wolfgang u.a. (Hrsg.): Mehr als Steine. Synagogen-Gedenkband Bayern Band III,1. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2015, S. 234 – 256.      

(1) StAWt G-Rep. 102 Nr. 2184

siehe auch:
Alicke, Klaus-Dieter: Lexikon der Jüdischen Gemeinden im Deutschen Sprachraum. Gütersloh, S. 2439

(2) StAW, GebrAmt V C 63.

(3) ArchJulSpit. 16392

(4) 29. März 1794: „Die bestbemittelten julierspitälischen Schuzjuden wollen mit Erbauung eines überflüssigen Badhauses nichts zu thun haben, weile sowohl einige derenselben, als deren unmittelbar fürstlich und adelich Voitischen Schuzjuden Weiber bey ihrer gemeinen Judenschul von jeher eine Badgruben gemeinschaftlich benuzet und noch zu gebrauchen haben.“ Archiv Juliusspital 16068,  siehe auch: Stadtarchiv Karlstadt: Karlstadt-MI KAR-Lb 028/20.  

(5) StAW LRA KAR 4258.

(6) Bohrer, Markus: Die Juden im Hochstift Würzburg im 16. und am Beginne des 17. Jahrhunderts. Inaugural-Dissertation Freiburg 1922